Shanghai – 上海 (2006)

Vom 15. bis zum 24. Oktober 2006 ging es für mich in Chinas Boomtown schlechthin, nämlich nach Shanghai (上海).

Nachfolgend möchte ich natürlich wieder meine Eindrücke und Erfahrungen aus Shanghai und Umgebung schildern, sowie in dieser Blogform auch meine Gedanken und Erinnerungen bewahren.

Shanghai – es geht los

So, mein Rucksack ist gepackt und heute ging es endlich los. Alitalia AZ441 brachte mich nach Mailand von wo aus ich nach ca. 2h Aufenthalt meinen Flug (AZ790) nach Shanghai antrat. Um es kurz zu machen: Der Preisunterschied Lufthansa – Alitalia ist spürbar. Sei es beim Essen, Sauberkeit oder beim – bei Alitalia nicht tadellos funktionierenden – Bordunterhaltungsprogramm. 😉 Whatever! Waren ja nur knapp 12 Stunden.

Nach der Landung in Shanghai ging es dann erstmal zur Gesundheitskontrolle. Heißt nichts anderes wie einen Zettel ausfüllen, auf dem man ankreuzt, dass man gesund ist und keinen Kontakt mit Krankheitserregern (u.a. explizit aufgeführt, der Vogelgrippevirus) hatte. Ein prüfender Blick des Beamten – und imho eine Aufnahme mit einer Wärmebildkamera – und das wars auch schon. Hat auch gar nicht weh getan! 🙂 . Danach hieß es bei der Einreisekontrolle anstehen. Auch hier alles problemlos – vorausgesetzt man hat ein Visum!
Direkt nach der Pass & Visakontrolle gibt es einen Geldautomaten der citibank. Da vor dem Automaten nichts los war, habe ich hier gleich mal etwas Geld abgehoben – zu was auch warten! Allerdings bedarf es durchaus zwei bis drei Versuchen, bis der Automat Geld mit der EC-Karte ausspuckt. Also nicht sofort beim ersten Fehlschlag verzweifeln! 😉
Nachdem ich meinen Rucksack vom Gepäckband geholt habe, sah ich mich noch etwas in der reichlich unspektakulären Ankunftshalle des Pudong International Airport um.
Mit dem Taxi (VW Santana rocks! Dazu aber später mehr 😎 ) fuhr ich dann die ca. 50km vom Flughafen Richtung Stadtmitte zu meinem Hotel. Die Fahrzeit betrug inklusive Stau knapp 90 Minuten. Der Fahrstil war höllisch! Der Fahrpreis mit 172 Yuan fair.

Astor House Hotel

Nach einer ausgedehnten Taxifahrt, die nicht auf direktem Weg – aber vielleicht auf dem schnellsten Weg – durch Shanghai führte, stand ich dann vor meiner Bleibe für die nächsten acht Nächte. Das Astor House Hotel (浦江饭店) (ehemals Richard’s Hotel) ist ein altehrwürdiges Gebäude in der Huangpu Lu direkt gegenüber dem russischen Konsulat und in unmittelbarer Nähe zum Bund. Gegründet 1846 behauptet es von sich selbst das erste westliche Hotel Chinas gewesen zu sein. Zu seinen Gästen zählten bereits Albert Einstein und Charlie Chaplin.

Seine großen Zimmer, die hohen Decken und Holzfußböden verleihen dem Hotel eine noble und stilvolle Note. Im zweiten Obergeschoß befindet sich noch eine wunderschöne Galerie. Sowohl seine Lage wie auch Ausstattung und Atmosphäre machen das Astor House Hotel zu einem wahren Schnäppchen und echtem Geheimtipp.

The First Impression Of Shanghai

Nachdem ich ausgepackt hatte, packte ich erstmal meine Kamera, ging über die direkt vor dem Hotel gelegene Garden Bridge (外白渡桥; Wàibáidù Qiáo) über den Suzhou Creek (苏州河), die 1937 quasi die Grenze zwischen der Internationalen Siedlung und dem japanisch besetzten Hongkou und Zhabei darstellte. 100m den Bürgersteig entlang und man geht links durch ein großes Eisentor, und steht am Fuße einer Treppe, die zum Monument of the People’s Heros, hinaufführt. Damit befindet man sich automatisch am nördlichen Ende des Bund (外滩). «Bund» ist anglo-indisch und bedeutet soviel wie Kaimauer. Der Bund bietet einen hervorragenden Blick über den Huangpu River (黄浦江) auf den Finanzdistrikt Pudong (浦东) und seine Wolkenkratzer und den Oriental Pearl Tower (东方明珠塔). Noch zu Anfang der 90er Jahre bestand Pudong aus nichts anderem als Ackerland und ein paar Hütten. Heute befinden sich dort u.a. zwei der höchsten Gebäude der Welt – und ein drittes wird gerade gebaut! Zusammen mit den alten Kolonialgebäuden diesseits des Bund’s ergibt sich hier ein extremer Kontrast zwischen Alt und Neu, der diese Ansicht so reizvoll macht, und nicht umsonst in fast allen Reiseführen zum No. 1 To-Do in Shanghai befördert wird.

Marschiert man den Bund hinunter ergeben sich immer wieder neue Blicke auf Pudong, den Schiffsverkehr auf dem Huangpu, und die grauen Eminenzen, die sich auf der anderen Straßenseite aneinanderreihen. Am Nordende des Bund’s befinden sich diverse Restaurants und Cafe’s, die aber während meines ganzen Aufenthalts in Shanghai – egal zu welcher Tages- & Nachtzeit – stets nur spärlich besetzt waren ;-). Etwas weiter südlich reiht sich dann ein Fotograf an den nächsten, die den Touristen eine unvergessliche Aufnahme verkaufen (wollen). Ganz im Süden gelangt man dann zu den Fähranlegern für Ausflüge auf dem Huangpu und zu der Fähre nach Pudong (etwas versteckt „unter“ der Promenade).

Beyond The Bund

Am nächsten Morgen schlenderte ich erneut den Bund hinunter. In Höhe der Überführung der East Yan’an Road wechselte ich von der erhöhten Bund-Promenade hinunter auf die East Zhongshan No. 1 Road. Einen Block weiter südlich überquerte ich die East jinling Road (Überführung benutzen!) und folgte dieser. Die erste links ist die Yong’an Road, in der zahlreiche kleine Geschäfte zu finden sind. Zweimal rechts abbiegen, und ich folgte der Central Sichuan Road bis zur Fuzhou Road in die ich links abbog. An der Kreuzung zur Central Jiangxi Road findet man an jeder Ecke der Kreuzung ein Gebäude, dessen architektonischer Stil sich mit den anderen dreien deckt. Mein weiterer Spaziergang durch die Straßen hinterhalb des Bund’s führte mich an zahllosen alten Stadtgebäuden vorbei, die man alle wohl eher in London um das Jahr 1900 herum vermuten möchte, und weniger in einer chinesischen Metropole wie Shanghai.

In Puxi – also östlich des Huangpu Flusses (westlich wäre Pudong) – verlaufen alle Straßen die den Namen einer chinesischen Provinz tragen von Nord nach Süd. Alle Straßen die nach chinesischen Städten benannt sind, verlaufen von Ost nach West.
Mit Erreichen der East Beijing Road, beschloss ich mich auf dieser wieder Richtung Bund zu bewegen. Die East Beijing Road führt direkt auf den Huangpu Park zu in dem ich mich nun etwas umsah. Der Park ist jedoch reichlich unspektakulär und dient wohl nur zur „Blumendeko“ für das Monument To The People’s Heros. Tipp: Nördlich des Zugangs zur Treppe des Monument To The People’s Heros ist ein Teich angelegt über den ein Steg mit mehreren Pavillions führt. Ideal für eine kleine Verschnaufpause abseits des Touristentrubels.

Nanjing Road (南京路)

Wieder Richtung Süden unterwegs – vorbei am legendären Peace Hotel (和平饭店) – bog ich schließlich rechts in die Nanjing Road.

Die Nanjing Road (南京路) oder Nánjīng Lù ist DIE Einkaufsstraße Shanghai’s schlechthin, und eine der geschäftigsten Einkaufsstraßen der Welt. Um den Menschenmassen, sowohl Touristen wie auch Einheimische, Herr zu werden ist die Nanjing Road auch ab der Kreuzung zur Central Henan Road, wo sich die Metro Haltestelle „Middle Henan Road“ befindet, für den Straßenverkehr gesperrt – was in Shanghai jedoch nichts zu bedeuten hat! Einziges erlaubtes motorisiertes Verkehrsmittel ist eine „Lokomotive“ mit mehreren Wagen für Touristen. Und hier ist es nun auch noch schlimmer, als wenn man in Hong Kong die Star Ferry in Tsim Sha Tsui verlässt. Hier schalmeit ständig ein „Wanna buy shoes, bags, rolex?“ um einen herum. Gelegentlich tritt dieses auch noch in den Variationen mit „massage“ und „sex with girl“ auf! Die Penetranz der Fragesteller ist dabei durchaus unterschiedlich! Manchmal reicht schon von weitem ein Lächeln und ein schütteln des Kopfes. Bei anderen bedarf es auch durchaus mal eines kleinen Spaziergangs, um das Desinteresse glaubhaft zu bekunden.

Obwohl die Huaihai Road mittlerweile versucht, die Nanjing Road als Shopping-Meile Nummer 1 in Shanghai abzulösen, strömen hier an einem Wochenendtag immer noch geschätzte 1,7 Millionen Menschen hindurch.

Renmin Square (人民广场)

Am Ende der East Nanjing Road angelangt, befindet man sich automatisch an der Nord-Ost-Ecke des Renmin Square (人民广场) oder auch People’s Square – der Platz des Volkes.
Der Platz an sich ist eigentlich eher eine riesige grüne Oase mitten in Shanghai, die diversen Einrichtungen wie Museen & Theater als Heimat dient. Zweigeteilt wird der Renmin Square durch die Renmin Avenue. Folgt man dieser, ist das erste Gebäude zur Rechten die Shanghai Urban Planning Exhibition Hall. Etwa 100 Meter weiter befindet sich dann das Shanghai Government Building. Ein recht hässlicher Klotz, der die Stadtverwaltung beherbergt. Auf der anderen Straßenseite der Renmin Avenue, befindet sich genau gegenüber der Stadtverwaltung, dass einem «Ding» – einem dreibeinigen Bronze- oder Keramikgefäß – nachempfundene Shanghai Museum.

Neben dem Shanghai Museum befindet sich ein Einkaufszentrum, die D-Mall, von der jedoch nichts zu sehen ist!? Grund hierfür ist, dass die komplette D-Mall in einem riesigen unterirdischen ehemaligen Luftschutzbunker untergebracht ist, der während der 80er Jahre in ein Einkaufszentrum verwandelt wurde. Wieder am Tageslicht befindet man sich vor dem Shanghai Grand Theatre.
Somit auch am westlichen Ende des Renmin Square angekommen lohnt ein kleiner Abstecher in die Jiangyin Road mit ihrem Bird, Flower & Fish Market und einigen alten Shikumen-Häusern. Zurück am Renmin Square bilden an der Ecke West Nanjing Road und North Huangpi Road Tomorrow Square und Ciro’s Plaza einen modernen Kontrast zum altehrwürdigen Shanghai Art Museum. Am Nordende des Renmin Square steht auch dass durch seine dunkelbraunen Ziegel unverkennbare Park Hotel (国际饭店), das 1934 als Bank erbaut wurde, und einst das höchste Gebäude Asiens war. Wieder am Nord-Ost-Ende angekommen blickt man nun direkt auf den Shanghai No. 1 Department Store. Eines der größten Kaufhäuser der Nanjing Road, erbaut 1936, und damals das erste Kaufhaus mit einer Rolltreppe.

The Bund At Night

Was bei Tage faszinierend aussieht, muss man natürlich auch bei Nacht gesehen haben! Der Blick vom Bund auf die hell erleuchtete Skyline von Pudong ist einfach spektakulär und atemberaubend. Nicht umsonst rangiert dieser Anblick auf Platz 4 der spektakulärsten Skylines der Welt! Besonderer Eye-Catcher auch bei Nacht, der in verschiedenen Farben illuminierte Oriental Pearl Tower.

Aber auch der Blick nach hinten ist mehr als sehenswert – wenn nicht sogar mehr als der Blick nach Pudong! Die grauen Eminenzen erstrahlen im hellen Licht der Scheinwerfer schier im alten Glanz vergangener Zeiten. Lediglich beim Peace Hotel und bei der China Bank hält man sich etwas mit der Beleuchtung zurück. Ansonsten ist die komplette East Zhongshan No. 1 Road in das goldgelbe Licht der zahlreichen Scheinwerfer getaucht.

Suzhou Creek (苏州河) & Central Sichuan Road

Am nächsten Morgen ging es erstmal die North Suzhou Road entlang, bis ich bei dem prächtigen Shanghai Post Office, mit seinem Uhrenturm, ankam.
Hier überquerte ich dann den Suzhou Creek. Auf der Brücke hat man einen schönen Blick über den Fluss in Richtung Pudong.
Die Central Sichuan Road verbreitet ein tolles urbanes Feeling. Im Schatten der Bäume kommt man hier an zahlreichen kleinen Geschäften vorbei. Der schmale Gehsteig wird auch hier – wie in ganz Shanghai üblich – als Parkplatz für die zahlreichen Motorroller und Fahrräder missbraucht. So dass dann als einzig möglicher Fußweg letztendlich nur die Straße übrig bleibt.

Yuyuan Garden (豫园)

Der Yuyuan Garten (豫园) – der Garten der Zufriedenheit – zählt zu Shanghais bedeutendsten klassischen Sehenswürdigkeiten. Des Weiteren wird er auch zu den vier schönsten chinesischen Gärten gezählt. 1559 als Ruhesitz eines hohen Beamten entstanden, ist aus dieser Epoche jedoch nichts mehr übrig geblieben. In seiner jetzigen Form entstand der Garten erst im 18. und 19. Jahrhundert, als verschiedene Kaufmannsgilden den verwilderten Garten aufkauften und dort Gebäude für ihre Versammlungen einrichteten. Die Mauern, die die einzelnen Bereiche des Gartens unterteilen sind mit wundervollen Drachenmotiven verziert.

Der Yuyuan Garten ist mit seinen 2 Hektar eigentlich nicht besonders groß, aber durch den geschickten Einsatz von Felsformationen, kleinen Gängen und zahlreichen Teichen lädt der Garten zu ausgiebigen Erkundungsgängen ein. Die zahlreichen Pavillone hingegen bieten die Möglichkeit zu rasten, und Ruhe zu finden – zumindest soweit dies im Gewimmel der Touristen möglich ist.

Old Town & Huxinting Teehaus

Direkt vor den Toren des Yuyuan Gartens befindet sich inmitten eines kleine Sees das Huxinting Teehaus. Dieses ist über eine Zickzackbrücke erreichbar – um böse Geister abzuhalten, die sich nur in geraden Linien bewegen können. Andererseits ist die Zickzackform auch besser geeignet um Touristen auszubremsen! 😉 Dieses berühmteste aller chinesischen Teehäuser wurde u.a. bereits von Queen Elizabeth II and Bill Clinton besucht.

Direkt vor den Toren des Yuyuan Garden befindet sich der Bazar mit gleichen Namen. Hier reihen sich hunderte von Souvenir-Shops und Lokalen aneinander, die um die Gunst der Touristen werben. Beim Yuyuan Bazar handelt es sich aber nicht um ein Stück historisches China, wie der Anschein vermuten lassen könnte, sondern hier wurde in den letzten Jahren alles komplett neu errichtet.

Direkt südlich des Yuyuan Bazars befindet sich die Central Fangbang Road, die gerne auch als Old Street bezeichnet wird. Hier reiht sich immer noch ein Geschäft an das andere, wo versucht wird den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch mischen sich hier dann doch schon einige eher für Einheimische relevante Läden darunter.

Geht man weiter Richtung Westen ist man in der Dajing Road dann in einem der letzten verbleibenden traditionellen Wohngegenden in Shanghai angelangt, die noch nicht dem Erdboden gleichgemacht wurden. Hier hängt die Wäsche noch aus den Fenstern über der Straße.
An der Kreuzung zur Renmin Road kann man dann noch ein Stück der einst 5km langen Stadtmauer sehen, die 1553 zum Schutz vor Piraten errichtet wurde.

Über die Shouning Road gelangt man zur Dongtai Road in der ein Antiquitätenmarkt zu finden ist. Hier gibt es manch alte Rarität und Memorabilia zu bestaunen und zu erwerben, und vieles was gerne alt wäre.
Gegen Abend kann man hier die Leute aus der Gegend beim gemeinsamen Mahjong-Spiel auf der Straße beobachten.
Streift man etwas durch die zahlreichen Straßen und verwinkelten Gassen kann man hier das alltägliche Leben in Shanghais Old Town beobachten. Zahlreiche Händler, die ihre Waren auf der Straße anbieten. Alte Frauen, die ihre Eikäufe nach Hause bringen, oder Kinder die in ihren Schuluniformen auf dem Nachhauseweg sind.

Confucian Temple

Um wieder etwas zur Ruhe zu kommen bietet sich ein Besuch im 1855 errichteten und kürzlich renovierten Confucian Temple in der Wenmiao Road an (Eintritt: 10 Yuan). Rechts neben dem Eingang gibt es einen kleinen aber wunderschönen Garten mit einem Teich in der Mitte, der zum Verweilen einlädt.
In den zahlreichen Hallen des Tempels sind oftmals Ausstellungen zu klassischer chinesischer Kunst und Kultur zu bestaunen. Während meines Besuches gab es hier zahlreiche Holzschnitzereien aus ganz China zu sehen. Immer wieder Sonntag findet hier auch ein beliebter Büchermarkt statt!

The Devil rides VW Santana!

Zügiges Fahren ist ja eine Sache, aber was in Shanghai in Punkto Verkehr abgeht spottet jeglicher Beschreibung. Ampeln – insbesondere rote – dienen hier mehr oder weniger nur zur Beleuchtung einer Kreuzung denn zur Regelung des Verkehrsflusses. Der Wechsel von vier Spuren auf einmal ist nicht die Ausnahme sondern die Regel. Vom Rechts überholen ganz zu schweigen. Insbesondere die zahlreichen Taxis, die fast ausnahmslos vom Typ VW Santana sind, stellen den natürlichen Feind eines jeden Fußgängers in Shanghai dar! Zum Artenschutz setzt die Stadt Shanghai Verkehrslotsen ein – teilweise sogar vier bis fünf pro Kreuzung -, die sich bewaffnet mit Trillerpfeife und Warnweste in ihrer grünen Uniform todesmutig in den Verkehr werfen und dabei neben motorisierten Verkehrsteilnehmern genauso Passanten mit Pfiffen zurechtweisen die meinen bereits vor der Grünphase eine Straße überqueren zu müssen. All dies in der Hoffnung den Shanghaiern bis zur Expo 2010 ein Mindestmaß an Verkehrssicherheit beizubringen.

Und nur weil man sich auf einem Fußweg oder Gehsteig befindet heißt dies nicht automatisch, dass einem keine Fahrzeuge mehr entgegen kommen oder von hinten anhupen und/oder an einem vorbeirauschen. Autos sind auf Gehsteigen zwar seltener anzutreffen – zumindest fahrend – allerdings muss man sich immer noch gehörig vor Motorrollern und Fahrrädern in Acht nehmen. Und so dient ein Gehsteig auch nicht als Fußweg sondern in erster Linie als Parkplatz für eben jene Zweiräder – des Öfteren sogar mit „Parkplatz“-Wächter und Einweiser! So ist es auch nicht verwunderlich, dass für manch einen schon eine einfache Luftpumpe die Grundlage für ein eigenes Geschäft ist!

Xintiandi (新天地)

Wenn man die romantisierte Atmosphäre des alten Shanghai erleben möchte, dann gibt es nur einen Ort: Xintiandi (新天地).

Xintiandi ist ein komplett renovierter Straßenblock aus engen Gassen und den für das alte Shanghai typischen Shikumen Häusern, die heute hauptsächlich Cafe’s und Restaurants beherbergen und Xintiandi zu einem der gefragtesten Unterhaltungsbezirke Shanghais machen.

Das Shikumen Open House Museum (20 Yuan Eintritt) bietet einen Einblick, wie diese Häuser damals eingerichtet waren, und wie mehrere Generationen einer Familie plus Untermieter Anfang des 20. Jahrhunderts unter einem gemeinsamen Dach gelebt haben. Die liebevolle Ausstattung mit Möbeln, Hausrat und sonstigen Gegenständen dieses 10 Zimmer umfassenden Museums ist sehenswert. Einer weitere Ausstellung im oberen Stockwerk zeigt Bilder aus der damaligen Zeit und schildert anhand von Zahlen und Fakten die Entwicklung dieser speziellen „Steintor“-Häuser.

Ebenfalls in Xintiandi ist für 3 Yuan der heilige Schrein aller chinesischen Kommunisten zu besichtigen: The Site of the 1st National Congress of the CCP. Hier trafen sich 1921 13 Delegierte der kommunistischen Partei Chinas – darunter Mao Zedong – zu ihrem ersten Kongress, um das zentrale Führungsgremium zu wählen und die Gründung der KP zu proklamieren. Zahlreiche Dokumente, Gegenstände und einige Fotografien dokumentieren dieses Ereignis.

Nördlich davon, in der Taicang Road ist unter der Nummer 127 ein altes Steinhaus zu sehen, in dem Mao und weitere Delegierte während des Kongresses – in einem Mädchenschlafsaal – übernachteten.

French Concession

Begibt man sich von Xintiandi weiter Richtung Westen gelangt man zum Fuxing Park. Dieser 1909 von den Franzosen angelegte Park diente den Japanern in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts als Paradeplatz. Heute sieht man im Schatten der Bäume zahlreiche ältere Leute beim Spaziergang oder ihren TaiChi-Übungen sowie zahlreiche Kinder spielen. Und in ihrer Mitte stehen die Büsten von Karl Marx und Friedrich Engels.

Verlässt man den Park ebenfalls wieder in westlicher Richtung gelangt man letztendlich in die von Bäumen gesäumten Alleen mit ihren im europäischen Stil erbauten Häusern in großen Gärten, die die französische Konzession so überhaupt nicht chinesisch aussehen lässt und ihr dadurch einen einzigartigen Charme verleiht.

In der Sinan Road kann man sich Sun Yat-Sen’s ehemaligen Wohnsitz ansehen. Sun Yat-Sen wird als Gründer des modernen China verehrt. War er doch Mitgründer der Kuomintang und der erste provisorische Präsident der Republik China. Seine Frau, Soong Ching-Ling – die Mittlere der der drei einflussreichen Soong-Schwestern, „die die ihr Land liebte“ – lebte nach Sun Yat-Sen’s Tod 1925 noch bis in das Jahr 1937 in diesem Haus. Im Eintrittspreis von 8 Yuan ist auch eine Führung durch das Haus enthalten. Allerdings sind die zu tragenden Stoffüberziehschuhe in Kombination mit den Parkettböden eine gefährliche Mischung! 😉
Das Haus von Zhou Enlai – einem wichtigen Führer der Kommunistischen Partei – befindet sich ebenfalls in der Sinan Road und ist für Besucher geöffnet.

Im Schatten der Bäume schlenderte ich weiter westwärts über die Central Fuxing Road, die Fenyang Road und Taiyuan Road. Hier ist wenig von der Hektik zu spüren, die sonst in ganz Shanghai herrscht und es ist noch möglich mit dem Fahrrad zu fahren, was in den geschäftigeren Gegenden schon fast einem Todeswunsch gleich käme! An der Kreuzung Taojiang Road / Yueyang Road steht eine Statue von Pushkin, die zu dessen Todestag 1937 von Shanghai’s Weiß-Russen errichtet wurde. In der Dongping Road No. 9 ist dann schließlich Chiang Kai-Shek’s Domizil zu bestaunen, der übrigens mit Soong May-Ling, „die die Macht liebte“ – der jüngsten der Soong-Schwestern – verheiratet war. Später wurde das Haus von Mao’s vierter Ehefrau Jiang Qing bewohnt.

In der Hengshan Road nahm ich dann die U-Bahn um Richtung Stadtmitte bis zur South Shaanxi Road (2 Stationen) zu fahren. Richtung Norden auf der South Maoming Road kommt man dann an dem imposanten Okura Garden Hotel Shanghai vorbei. An der Kreuzung zur Changle Road steht das 1931 errichtete Lyceum Theatre. In der South Shaanxi Road No. 30 findet man dann die Moller Villa, die heute ein Hotel beherbergt. In den 30er Jahren von dem Schweden Eric Moller errichtet gehört das Gebäude mit seinen gotischen Türmchen zu den schönsten Gebäuden die in dieser Epoche in Shanghai errichtet wurden. Leider war das Hotel während meines Aufenthalts wegen Umbauarbeiten geschlossen.

Über die North Xiangyang Road gelangte ich dann wieder zur Central Huaihai Road, an der sich ein Kaufhaus an das nächste reiht und auf der man ähnlich wie auf der Nanjing Road permanent angesprochen wird.

Pudong (浦东) – Riverside Promenade

Mit der U-Bahn ging es vom ehemaligen französischen Konzessionsviertel wieder Richtung Huangpu zur Haltestelle Middle Henan Road. Von dort aus begab ich mich wieder zum Bund, wo auf Höhe der East Yan’an Road die Fähre nach Pudong an- und ablegt. Der Anleger befindet sich unterhalb der Uferpromenade und der Fahrpreis von 2 Yuan ist gegenüber den Drehkreuzen an den kleinen Kassenhäuschen zu entrichten. Am besten den Schalter nehmen, wo man keinen gestressten Mitarbeiter aus dem Schlaf reißt 😉 .Der Anleger auf Pudongseite befindet sich leicht südlich des Riverside Park und der gleichnamigen Riverside Promenade. Die neuen Wolkenkratzer im Rücken bietet diese 2,5 Kilometer lange Promenade, die mit Cafes – Starbucks ist natürlich obligatorisch -, Bars und Restaurants gesäumt ist, den besten Ausblick auf den Bund mit seinen altehrwürdigen Gebäuden. Hier wird man im Allgemeinen auch nicht von Touristenherden niedergetrampelt, da der „Andrang“ hier wesentlich geringer ist, als auf der anderen Uferseite. Das mag aber auch an der großzügigeren Planung und Architektur von Pudong liegen, wo ein einzelner schnell untergeht und vierspurige Straßen quasi aus dem Nichts beginnen!

The Bund Sightseeing Tunnel

Billige Lichteffekte gepaart mit einer seltsamen tonalen Untermalung bietet die Fahrt durch den Bund Sightseeing Tunnel. Die Strecke, knappe 647 Meter, überbrückt man in einer führerlosen Kabine – würde ja auch kein Mensch 8, 10 oder 12 Stunden pro Tag aushalten – in einem Schienensystem made in Europe! Das ganze ist schon wieder so schlecht, dass es schon fast wieder Kultcharakter besitzt, und den Chinesen die mit mir in der Kabine waren scheint es gefallen zu haben! 😎 Ärgerlich nur für diejenigen, die auch noch einen Rückfahrschein erworben haben! So kann man wenigstens behaupten die schnellste Verbindung – wenn man nicht anstehen muss – zwischen Puxi und Pudong genutzt zu haben, für stolze 30 Yuan!

Oriental Pearl Tower (东方明珠塔)

Der Ausgang des Bund Sightseeing Tunnel befindet sich beim Shanghai International Convention Centre und ist somit nur einen kurzen Fußweg vom Oriental Pearl Tower (东方明珠塔), der „Perle des Ostens“ entfernt. Der 468 Meter hohe Turm ist der höchste Fernsehturm Asiens und zählt mit seinen 11 von Säulen getragenen Kugeln zu den bekanntesten Wahrzeichen Shanghai’s. Als Inspiration dienten den Architekten des 1995 fertiggestellten Turmes – und damals noch einziges höheres Bauwerk in Pudong – angeblich der Berliner Fernsehturm. Rosarot, wie die erhoffte Zukunft, und abends bunt illuminiert zieht der der Pearl Tower jährlich zwei bis drei Millionen Besucher an, die sich den beeindruckenden Ausblick – selbst bei wolkenverhangenem Himmel wie bei mir 🙁 – von einer oder allen der drei Aussichtsplattformen nicht entgehen lassen wollen. Doch vor der Fahrt mit einem der Expresslifte heißt es erstmal das richtige Ticket aus immerhin sieben angebotenen zu erwerben. Ticket A für 100 Yuan gewährt den Zutritt zu allen drei Aussichtsplattformen sowie zu dem am Fuß des Turms befindlichen Shanghai Municipal History Museum. Nach einer ungewohnt strengen Sicherheitskontrolle, inkl. Metalldetektor und durchleuchten der Tasche, heißt es dann je nach Besuchszeit und Andrang erst einmal Warten.

Von der oberen Aussichtsplattform in 350 Metern Höhhe hätte man – klares Wetter vorausgesetzt – einen fantastischen Blick in die Ferne und über Shanghai. Die mittlere Plattform in 263 Metern Höhe gestattet es einem Shanghai etwas genauer zu betrachten, da nicht alles – selbst für Shanghaier Dimensionen – gar so winzig erscheint wie von ganz oben. Die tiefste Aussichtsplattform – immerhin auch noch in 90 Metern Höhe – ist im Gegensatz zu den darüberliegenden nicht verglast, sondern man hat freie Sicht, von der Vergitterung mal abgesehen, auf die zahlreichen Baustellen in Pudong wo neue Hochhäuser wie Pilze in die Höhe schießen oder den Bund auf der gegenüberliegenden Seite des Huangpu.

Shanghai Municipal History Museum

Das Shanghai Municipal History Museum befindet sich direkt am Fuß des Oriental Pearl Towers. Die Ausstellung beginnt mit zahlreichen für Shanghai typischen Fortbewegungsmittel. Darunter auch Sänften, diverse Riksha’s und natürlich der berühmt berüchtigte VW Santana. Ein Stockwerk höher geht der Rundgang dann weiter durch diverse Zeitepochen, die Shanghais Aufstieg vom kleinen Piratennest über Baumwollhandel und Flussfährdienste hin zu einer prosperierenden Weltmetropole dokumentieren. Zahlreiche begehbare Modelle und Straßenzüge lassen das alte Shanghai – inklusive Opiumhöhlen und Teehäusern – wieder aufleben. Am Ende gibt es dann noch zahlreiche Modelle von Shanghais bekanntesten Gebäuden und Vierteln.

Maglev (Transrapid – 上海磁浮示范运营线)

Vom Oriental Pearl Tower ging es dann mit der Metro bis zur Longyang Road Station. Hier befindet sich die städtische Haltestelle des Transrapid, in China besser bekannt als Maglev (上海磁浮示范运营线) oder Xinhu Pearl. Was die dämlichen Deutschen nicht fertigbringen – fahrt doch mal vom Flughafen München zum Hauptbahnhof! – wurde in China im Dreischichtbetrieb von 10.000 Arbeitern in nur 22 Monaten fertiggestellt. Für 80 Yuan für Hin- & Rückfahrt kann man die 30 Kilometer zwischen dem Pudong International Airport und der Longyang Station in knapp 8 Minuten überbrücken. Maximalgeschwindigkeit von 431km/h inklusive. Die Vibrationen während der Fahrt sind dann auch nicht technisch bedingt, sondern entstehen durch Gegen- und Seitenwinde.

Für knapp 50 Sekunden raßt man also über eine langsam im Sumpf versinkende Strecke durch Vorstädte und über Felder. Der Rest der 8-Minuten-Fahrt wird zum Beschleunigen und Abbremsen benötigt. Ein tolles Erlebnis made in Germany – nicht nur für technikbegeisterte Besucher. Der große Durchbruch des Transrapid steht aber noch aus. Das mag wohl auch daran liegen, dass die Transrapid-Trasse nicht ins Stadtzentrum von Shanghai selbst führt, sondern lediglich an die Stadtgrenze von wo aus man dann mit der U-Bahn oder per Taxi (was wohl nicht immer ratsam ist) weiterfahren muss. Da ist ein Taxi direkt vom Flughafen dann halt nur unwesentlich langsamer. Doch ein Ausbau der Strecke vorbei am künftigen Expogelände die hier 2010 stattfindet und weiter nach Hangzhou (ca. 100km), sowie eine Abzweigung zum alten und immer noch für Inlandsflüge genutzten Flughafen Hongqiao ist immer wieder im Gespräch.

Century Avenue (世纪大道)

Wieder in Lujiazui schlenderte ich die Century Avenue (世纪大道) in der Abenddämmerung entlang. Ein achtspurige Straße, die in einem riesigen Kreisverkehr beim Oriental Pearl Tower endet. Dimensionen typisch für die Pudong New Development Area. Hier reihen sich die glitzernden und hell erleuchteten Glasfassaden aneinander und teure Läden – und Straßenhändler – buhlen um die Gunst der Käufer. Und trotz exorbitant breiter Gehwege muss man sich auch hier, wie überall in Shanghai, vor den Motorrollern in Acht nehmen! 😉 Mein Ziel auf der Century Avenue war das Gebäude mit der Nummer 88, der Jin Mao Tower.

Jin Mao Tower (金茂大厦)

Der Jin Mao Tower (金茂大厦) ist mit seinen 421 Metern das höchste Gebäude Shanghais und ganz China’s, noch vor dem 2IFC in Hong Kong. Der Oriental Pearl Tower – kein Gebäude, sondern ein Bauwerk – ist mit seinen 468 Metern allerdings noch ein gutes Stück höher. Allerdings werden diese beiden in Kürze vom Shanghai World Financial Center mit seinen avisierten 492 Metern, direkt neben dem Jin Mao Tower, überragt werden.

Im obersten, dem 88. Stockwerk befindet sich eine Aussichtsplattform die man mit einem Expresslift in knapp einer Minute erreicht (50 Yuan). Im Zweifelsfall ist dies auch die interessantere Aussicht wie die vom Oriental Pearl Tower. Eben wegen jenem.

Die unteren Stockwerke beherbergen Büroräume. Die oberen 38 Etagen sind vom Grand Hyatt Hotel belegt. Vom 53. bis zum 87. Stockwerk erstreckt sich das beeindruckende Hotelatrium in welches man ebenfalls vom Aussichtsdeck hinab blicken kann.

Unter einem erstreckt sich von hier ein fantastisches Lichtermeer! Einfach grandios der Ausblick!

Nanjing Road (南京路) bei Nacht

Abends verschlug es mich dann nochmals zur Nanjing Road (南京路), die zwar genauso quirlig wie tagsüber ist, aber mit ihren vielen Lichtern und zahlreichen Leuchtreklamen in ganz neuem Glanz erstrahlt. Das zahlreiche „Wanna buy Rolex?“ ist leider noch genauso nervig! 😉

Auf dem Weg zurück zum Hotel konnte ich dann noch einen schönen Blick auf und durch die Garden Bridge einfangen.

Huangpu River (黄浦江) Cruise

Am Samstag hieß es erstmal ausschlafen, bevor es am Nachmittag auf eine dreistündige Flussfahrt ging. Am südlichen Ende des Bund – wo auch die Fähre nach Puxi ablegt – befinden sich zahlreiche Anbieter verschiedener Ausflugsfahrten auf dem Huangpu River (黄浦江). Das Angebot reicht dabei von 30-minütigen über ein- bis zweistündigen hin zu dreistündigen Fahrten, meist in zwei verschiedenen Kategorien. Ich entschied mich für eine dreistündige Fahrt in der besseren Kategorie, man will ja schließlich weich sitzen, und musste dafür 120 Yuan bezahlen. Im Preis inbegriffen war dabei eine Flasche Wasser sowie eine kleine Glasmedaille als Erinnerung. Die Fahrt führt vorbei an zahlreichen Warenhäusern, Containerterminals mit unzähligen Kränen und Schiffswerften unterschiedlicher Größenordnung bis hin zur Mündung des Huangpu in den Yangtze. Und die ganze Fahrt über begleitet einen eine Frage: Wie kann dieser rostige und rauchende Haufen Metall, an dem man gerade vorbeigefahren ist überhaupt noch schwimmen?! 😉

Shanghai Urban Planning Exhibition Hall

Heute waren Museen und Ausstellungen angesagt. Mit der Metro ging es zum Renmin Square. Auf dem Weg zur Metro kam ich durch die atmosphärische Dianchi Road.

Als erstes stand die Shanghai Urban Planning Exhibition Hall auf dem Plan. Auf vier Etagen bekommt der geneigte Besucher hier für 40 Yuan allerlei Wissenswertes über die Shanghaier Stadtplanung präsentiert. In der Lobby wird hier die Entwicklung entlang des Huangpu an einem Modell präsentiert, wo auch die Planungen für das Gelände der Expo 2010 zu sehen sind. In einem Zwischengeschoss mit freiem Blick auf die Lobby findet man zahlreiche Fotographien und Karten des alten Shanghai wieder. Der dritte Stock – der zweite ist für Sonderschauen reserviert – befindet sich dann ein Modell von Shanghai im Maßstab 1:2000, dass jedes einzelne Gebäude der Stadt enthält, oder wie es im besten Shanghaier Englisch heißt, der Master Plan. Durch eine Öffnung in der Decke kann dieses Modell auch zusätzlich noch von einem Stockwerk darüber betrachtet werden. Darüber hinaus gibt es in der vierten Etage zahlreiche themenspezifische Bereiche wie Flughafen, Umweltschutz, Transport, der neue Containerhafen, der auf einer Inselgruppe 30km im Meer entstehen soll und vieles weitere. Das ganze ist immer interessant aufbereitet und illustriert und somit nicht nur für angehende Städtebauer sehenswert!

Anschließend lädt das Cafe im fünften Stock mit seinem fantastischen Blick über den Renmin Square noch etwas zum Verweilen ein. Im Keller (!!) gibt es dann noch eine nachgestellte Shanghaier Straßenszene zu Beginn des letzten Jahrhunderts, in der echte Geschäfte zu finden sind. Wer das Municipal History Museum kennt hat hier nichts verpasst. 😉

Shanghai Museum (上海博物館)

Das Shanghai Museum (上海博物館) befindet sich ebenfalls am Renmin Square und gehört zu den besten Museen in ganz China. Das auffällige Gebäude wurde von einem lokalen Architekten geplant und ist einem Dǐng – einem dreibeinigen Kochgefäß aus Bronze oder Keramik – nachempfunden. Für 20 Yuan bekommt man auf vier Etagen angefangen von antiken Bronzen, Keramiken, Zeichnungen und Kalligraphien über Skulpturen, Jade und Münzen bis hin zu chinesischen Siegeln, Möbeln aus der Ming und Qing Dynastie sowie eine Ausstellung über chinesische Minderheiten alles gezeigt was man von einem Museumsbesuch erwartet. Präsentiert werden die Ausstellungsstücke dabei auf höchstem technischen Niveau und das fotografieren ist ohne Blitzlicht bis auf wenige Ausnahmen gestattet.

Als besonders sehenswert empfand ich die Ausstellung antiker Bronze – für die das Museum auch berühmt ist – und die Ausstellung antiker Skulpturen.
Auf dem Nachhauseweg ging es dann nochmals durch die hell erleuchtete Nanjing Road.

Riverside Promenade

Den nächsten Vormittag verbrachte ich bei strahlendem Sonnenschein erneut auf der Riverside Promenade, und handelte mir während meines Frühstücks prompt einen Sonnenbrand ein. Der Blick auf die gegenüberliegenden Gebäude, die Zeugnis über eine längst vergangene Zeit ablegen ist einfach beeindruckend, ganz zu schweigen von den Riesen aus Stahl, Beton und Glas die sich einem im Rücken gen Himmel strecken.

Super Brand Mall

Direkt zu Füßen des Oriental Pearl Towers liegt die Super Brand Mall (正大広場) – Asiens größtes Einkaufsgebäude. Hier muss man erst einmal über diverse Rolltreppen in den dritten Stock fahren um dann erst in einem riesigen Atrium zu stehen! Zu finden sind hier hauptsächlich Modegeschäfte aber auch eine Buchhandlung oder Toys’R’Us ist hier vertreten.

Doch wird hier auch der Größenwahn der Stadtväter und der „Partei“ deutlich. Denn ein Großteil der Ladenflächen steht nach wie vor leer. Dafür ist man aber um die Hygiene ungemein besorgt und so ist überall Personal anzutreffen, welches Handläufe reinigt oder wieder ein paar Quadratmeter des Bodens wischt.
Zum Geld ausgeben sicherlich gut geeignet – billiger ist es wo anders. Aber aufgrund der schier unglaublichen Dimensionen sollte man durchaus mal einen Blick riskieren.

Lujiazui (陆家嘴)

Anfang der 1990er-Jahre waren hier noch Bauern in Reisfeldern und heruntergekommene Lagerschuppen anzutreffen. Heutzutage schießt hier ein Wolkenkratzer nach dem anderen in die Höhe auf dessen Dächern sich internationale Top-Agenten tummeln! 😉

Lujiazui (陆家嘴) ist heute der wichtigste Finanzdistrikt in Shanghai und wurde 2005 erneut als Freihandelszone ausgewiesen. Über 10.000 ausländische Firmen sind hier bereits ansässig – Tendenz weiter steigend. Mitten in diesem Meer aus Hochhäusern liegt direkt an der Century Avenue der Lujiazui Park. Von dieser grünen Oase aus hat man einen wunderbaren Blick auf die umstehenden Wolkenkratzer. Besonders ins Auge fällt dabei natürlich der Jin Mao Tower und das direkt daneben entstehende Shanghai World Financial Center. Diesen Rundumblick habe ich auch in einem kleinen (sehr laienhaften) Video festgehalten:

Im Lujiazui Park steht auch noch ein altes jedoch hervorragend renoviertes Shikumen-Haus, dass den Lujiazui Development Showroom beherbergt (der leider geschlossen war) und welches vielen Brautpaaren als Kulisse für ihre Hochzeitsfotos dient.

Rückflug

Am nächsten Morgen hieß es erst einmal die restlichen Dinge und Hotelsouvenirs 😎 einzupacken, meinem Zimmer Lebewohl zu sagen und auszuchecken. Mit dem Taxi – VW Santana selbstverständlich 😉 – ging es dann auf einer erneut halsbrecherischen Fahrt, auf der ich mehrmals die Augen schließen musste, zum Pudong International Airport. Nach dem Einchecken und der Passkontrolle war erstmal das zurückwechseln meiner restlichen Yuan in Euro angesagt. Hierzu unbedingt den/die Wechselbelege aufheben, denn ohne gültige Belege kann man auch keine Yuan zurückwechseln! Nach etwas Warten ging es dann mit ca. 45 Minuten Verspätung mit Alitalia Flug AZ791 zurück nach Mailand. Das Boardunterhaltungsprogramm lief dieses mal auf Hochtouren und so wurden sage und schreibe fünf Filme geboten – Fever Pitch, The Devil Wears Prada, Inside Man, The Greatest Game Ever Played & X-Men: The Last Stand.

Auch der Rückflug von Mailand verzögerte sich etwas. In München ging dafür alles ganz schnell. 20 Minuten nach der Landung stand ich dann schon vor dem Fahrkartenautomaten der S-Bahn, wo es gar nicht so leicht ist aus dem Tarifdickicht die richtige Fahrkarte auszuwählen! Nach ewig langer Fahrt zum Hauptbahnhof – wann kommt endlich der Transrapid? – ging es von dort aus nach Augsburg, wo ich gegen ein Uhr morgens schon erwartet wurde!

Shanghai (上海) sum up

Dass waren sie also, meine acht Tage in Asiens Boomtown Shanghai (上海). Atemberaubend groß, beeindruckend schön aber auch ungemein anstrengend sind die Attribute, die mir abschließend dazu einfallen. Definitiv eine Stadt die man mal gesehen haben sollte und die man eventuell über Jahre hinweg öfters einmal besuchen sollte um die rapiden Veränderungen zu sehen und mitzuerleben die Shanghai erfährt. Wer weiß vielleicht zur Expo 2010 wieder! 😉
Highlights waren sicherlich – wie sollte es anders sein – der Bund (外滩), sowohl bei Tag wie auch zur nächtlichen Stunde, der Yuyuan Garden (豫园) mit seinen zahlreichen Teichen, Felsformationen und Pagoden, Xintiandi (新天地) und die French Concession mit ihrem unnachahmlichen Flair und Pudong respektive Lujiazui (陆家嘴) mit seinen zahlreichen Wolkenkratzern und dem Oriental Pearl Tower (东方明珠塔).

Ein erneuter Besuch in Shanghai lässt sich schon kaum deshalb nicht vermeiden, weil ich sowohl die Seidenstadt Suzhou (苏州) als auch den Westsee in Hangzhou (杭州) nicht besucht habe! Also auf bald und 再见 (Zài jiàn). Winke winke