Beyond The Bund

Am nächsten Morgen schlenderte ich erneut den Bund hinunter. In Höhe der Überführung der East Yan’an Road wechselte ich von der erhöhten Bund-Promenade hinunter auf die East Zhongshan No. 1 Road. Einen Block weiter südlich überquerte ich die East jinling Road (Überführung benutzen!) und folgte dieser. Die erste links ist die Yong’an Road, in der zahlreiche kleine Geschäfte zu finden sind. Zweimal rechts abbiegen, und ich folgte der Central Sichuan Road bis zur Fuzhou Road in die ich links abbog. An der Kreuzung zur Central Jiangxi Road findet man an jeder Ecke der Kreuzung ein Gebäude, dessen architektonischer Stil sich mit den anderen dreien deckt. Mein weiterer Spaziergang durch die Straßen hinterhalb des Bund’s führte mich an zahllosen alten Stadtgebäuden vorbei, die man alle wohl eher in London um das Jahr 1900 herum vermuten möchte, und weniger in einer chinesischen Metropole wie Shanghai.

In Puxi – also östlich des Huangpu Flusses (westlich wäre Pudong) – verlaufen alle Straßen die den Namen einer chinesischen Provinz tragen von Nord nach Süd. Alle Straßen die nach chinesischen Städten benannt sind, verlaufen von Ost nach West.
Mit Erreichen der East Beijing Road, beschloss ich mich auf dieser wieder Richtung Bund zu bewegen. Die East Beijing Road führt direkt auf den Huangpu Park zu in dem ich mich nun etwas umsah. Der Park ist jedoch reichlich unspektakulär und dient wohl nur zur „Blumendeko“ für das Monument To The People’s Heros. Tipp: Nördlich des Zugangs zur Treppe des Monument To The People’s Heros ist ein Teich angelegt über den ein Steg mit mehreren Pavillions führt. Ideal für eine kleine Verschnaufpause abseits des Touristentrubels.

The First Impression Of Shanghai

Nachdem ich ausgepackt hatte, packte ich erstmal meine Kamera, ging über die direkt vor dem Hotel gelegene Garden Bridge (外白渡桥; Wàibáidù Qiáo) über den Suzhou Creek (苏州河), die 1937 quasi die Grenze zwischen der Internationalen Siedlung und dem japanisch besetzten Hongkou und Zhabei darstellte. 100m den Bürgersteig entlang und man geht links durch ein großes Eisentor, und steht am Fuße einer Treppe, die zum Monument of the People’s Heros, hinaufführt. Damit befindet man sich automatisch am nördlichen Ende des Bund (外滩). «Bund» ist anglo-indisch und bedeutet soviel wie Kaimauer. Der Bund bietet einen hervorragenden Blick über den Huangpu River (黄浦江) auf den Finanzdistrikt Pudong (浦东) und seine Wolkenkratzer und den Oriental Pearl Tower (东方明珠塔). Noch zu Anfang der 90er Jahre bestand Pudong aus nichts anderem als Ackerland und ein paar Hütten. Heute befinden sich dort u.a. zwei der höchsten Gebäude der Welt – und ein drittes wird gerade gebaut! Zusammen mit den alten Kolonialgebäuden diesseits des Bund’s ergibt sich hier ein extremer Kontrast zwischen Alt und Neu, der diese Ansicht so reizvoll macht, und nicht umsonst in fast allen Reiseführen zum No. 1 To-Do in Shanghai befördert wird.

Marschiert man den Bund hinunter ergeben sich immer wieder neue Blicke auf Pudong, den Schiffsverkehr auf dem Huangpu, und die grauen Eminenzen, die sich auf der anderen Straßenseite aneinanderreihen. Am Nordende des Bund’s befinden sich diverse Restaurants und Cafe’s, die aber während meines ganzen Aufenthalts in Shanghai – egal zu welcher Tages- & Nachtzeit – stets nur spärlich besetzt waren ;-). Etwas weiter südlich reiht sich dann ein Fotograf an den nächsten, die den Touristen eine unvergessliche Aufnahme verkaufen (wollen). Ganz im Süden gelangt man dann zu den Fähranlegern für Ausflüge auf dem Huangpu und zu der Fähre nach Pudong (etwas versteckt „unter“ der Promenade).

Astor House Hotel

Nach einer ausgedehnten Taxifahrt, die nicht auf direktem Weg – aber vielleicht auf dem schnellsten Weg – durch Shanghai führte, stand ich dann vor meiner Bleibe für die nächsten acht Nächte. Das Astor House Hotel (浦江饭店) (ehemals Richard’s Hotel) ist ein altehrwürdiges Gebäude in der Huangpu Lu direkt gegenüber dem russischen Konsulat und in unmittelbarer Nähe zum Bund. Gegründet 1846 behauptet es von sich selbst das erste westliche Hotel Chinas gewesen zu sein. Zu seinen Gästen zählten bereits Albert Einstein und Charlie Chaplin.

Seine großen Zimmer, die hohen Decken und Holzfußböden verleihen dem Hotel eine noble und stilvolle Note. Im zweiten Obergeschoß befindet sich noch eine wunderschöne Galerie. Sowohl seine Lage wie auch Ausstattung und Atmosphäre machen das Astor House Hotel zu einem wahren Schnäppchen und echtem Geheimtipp.

Shanghai – es geht los

So, mein Rucksack ist gepackt und heute ging es endlich los. Alitalia AZ441 brachte mich nach Mailand von wo aus ich nach ca. 2h Aufenthalt meinen Flug (AZ790) nach Shanghai antrat. Um es kurz zu machen: Der Preisunterschied Lufthansa – Alitalia ist spürbar. Sei es beim Essen, Sauberkeit oder beim – bei Alitalia nicht tadellos funktionierenden – Bordunterhaltungsprogramm. 😉 Whatever! Waren ja nur knapp 12 Stunden.

Nach der Landung in Shanghai ging es dann erstmal zur Gesundheitskontrolle. Heißt nichts anderes wie einen Zettel ausfüllen, auf dem man ankreuzt, dass man gesund ist und keinen Kontakt mit Krankheitserregern (u.a. explizit aufgeführt, der Vogelgrippevirus) hatte. Ein prüfender Blick des Beamten – und imho eine Aufnahme mit einer Wärmebildkamera – und das wars auch schon. Hat auch gar nicht weh getan! 🙂 . Danach hieß es bei der Einreisekontrolle anstehen. Auch hier alles problemlos – vorausgesetzt man hat ein Visum!
Direkt nach der Pass & Visakontrolle gibt es einen Geldautomaten der citibank. Da vor dem Automaten nichts los war, habe ich hier gleich mal etwas Geld abgehoben – zu was auch warten! Allerdings bedarf es durchaus zwei bis drei Versuchen, bis der Automat Geld mit der EC-Karte ausspuckt. Also nicht sofort beim ersten Fehlschlag verzweifeln! 😉
Nachdem ich meinen Rucksack vom Gepäckband geholt habe, sah ich mich noch etwas in der reichlich unspektakulären Ankunftshalle des Pudong International Airport um.
Mit dem Taxi (VW Santana rocks! Dazu aber später mehr 😎 ) fuhr ich dann die ca. 50km vom Flughafen Richtung Stadtmitte zu meinem Hotel. Die Fahrzeit betrug inklusive Stau knapp 90 Minuten. Der Fahrstil war höllisch! Der Fahrpreis mit 172 Yuan fair.

Themenabend „Chinas Kapital“ bei PHOENIX

Am Dienstag den 15. August zeigt PHOENIX im Rahmen seines Themenabens „Chinas Kapital“ verschiedene Dokumentationen, die sowohl Licht- wie auch Schattenseiten des Wirtschaftsbooms in [tag]China[/tag] näher beleuchten. Also vormerken, oder am besten gleich Video-/HD-Recorder programmieren.

Themenabend „Chinas Kapital“

An seinem letztem Themenabend im Sommerprogramm blickt PHOENIX gen Osten: China, das „Reich der Mitte“ mit seiner jahrtausende alten Tradition ist die kommende Supermacht. Die Wirtschaft scheint unaufhörlich zu wachsen, und schon jetzt ist China Deutschlands wichtigster Handelspartner in [tag]Asien[/tag]. Vom Tellerwäscher zum Millionär – Geschichten, wie sie früher in Amerika populär waren, werden heute in Fernost geschrieben. Wie etwa die von Joe Wickert, der in China mit dem Export von Lederwaren reich wurde. Den Weg des Unternehmers von der Pfalz in das Wirtschaftszentrum Shanghai erzählt die Dokumentation „Der heiße Atem des Drachen“. Doch der Aufschwung hat auch seine negativen Seiten. „Die Wanderarbeiter von Shanghai“ begleitet einige der – laut Schätzungen der UNO – bis zu 150 Millionen Landbewohner, die in die wachsenden Metropolen pilgern, um dort für einen Hungerlohn teils schwere und gefährliche Arbeit annehmen. Ein Höhepunkt des Abends wird die deutsche Erstausstrahlung der Dokumentation „China Girl – Dringend gesucht“, die sich mit den Folgen der Ein-Kind-Politik auseinandersetzt: Schon bald werden 30-40 Millionen chinesische Männer ein frauenloses Leben führen müssen – der Mädchenmangel ist auf dem Land ein akutes soziales Problem und Frauenraub ein blühendes Geschäft.

Weitere Doku-Termine zur „Themenwoche Chinas Kapital“ bei PHOENIX:
Dienstag, 15. August, 20.15 Uhr: „Die unsterblichen Krieger der China-Kaiser“
Dienstag, 15. August, 21.00 Uhr: „China Girl – Dringend gesucht“
Dienstag, 15. August, 22.15 Uhr: „10 Millionen Dollar pro Monat“
Dienstag, 15. August, 23.00 Uhr: Studiogespräch mit Wolfgang Hirn
Dienstag, 15. August, 23.10 Uhr: „Der heiße Atem des Drachen“
Dienstag, 15. August, 23.40 Uhr: „Die Wanderarbeiter von Shanghai“