Olympia 2008 in Beijing

Das waren sie also, die 29. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit. Und wie bemerkte IOC-Präsident Jacques Rogge so treffend, „es waren außergewöhnliche Spiele“.
Außergewöhnlich harsch war bereits die Kritik im Vorfeld. Einschränkungen der Pressefreiheit wurden beklagt. Die Einhaltung der Menschenrechte gefordert, was ja durchaus wünschenswert wäre. Und die starke Militärpräsenz wurde angeprangert. Nur wenige sprachen im Vorfeld von den Chancen für China und wenn, dann meist über verpasste. Nun die KP war wohl schlicht und ergreifend überfordert mit dem Heer an Journalisten und internationalen Gästen. Und anstatt sich zu öffnen, verkrampfte man in Althergebrachten und Bewährtem. Aber möglicherweise waren die olympischen Spiele jetzt auch ein Initialzündung sich weiter zu öffnen – jetzt wo keiner mehr so genau hinsieht, nicht alles auf die Waagschale geworfen wird und man etwas experimentieren kann, was denn gangbare Möglichkeiten wären. Eine Initialzündung vielleicht auch in Sachen Umweltschutz, denn wohl noch nie sah der Himmel über Beijing dermaßen Blau aus und schon lange muss die Luft nicht mehr so gut gewesen sein, wie in den vergangenen beiden Wochen!

Außergewöhnlich waren auch die großen Sieger. Der US-Amerikaner Michael Phelps holte bei seinen zweiten Olympischen Spielen mit sieben Weltrekorden und einem olympischen Rekord insgesamt acht Goldmedaillen. Damit überbot er den Rekord von Mark Spitz, der 1972 in München insgesamt sieben goldene Medaillen holte. Mit seinen nun insgesamt 14 Goldmedaillen wird Phelps eh für lange Zeit als bester Olympionike aller Zeiten gelten. Der zweite außergewöhnliche Sieger ist sicherlich der Jamaikaner Usain Bolt. Mit seinem Fabelweltrekord von 9,69 Sekunden über die 100 Meter deklassierte er die Konkurrenz, nur um kurz danach selbiges bei den 200 Metern und mit der Staffel erneut zu tun. So außergewöhnlich, dass die Frage nach der Sauberkeit der Rekorde durchaus eine berechtigte ist!

Außergewöhnlich auch die deutschen Siege. Die typischen Goldmedaillen-Kandidaten versagten fast gänzlich. In der Leichtathletik war außer einmal Bronze scheinbar nichts für uns zu holen. Ebenfalls ernüchternd die Bilanz der deutschen Ruderer – ansonsten eigentlich immer eine sichere Bank. Und auch die deutschen Schwimmer waren ungewohnt erfolglos. Umso schöner dann aber die beiden Gold-Medaillen für Britta Steffen, die nach ihrem ersten Sieg zu Tränen gerührt Franziska van Almsick um den Hals fiel. Für die vielleicht schönste und emotionalste deutsche Medaille sorgte Gewichtheber Matthias Steiner, dessen Frau letztes Jahr bei einem Autounfall ums Leben kam und der er diesen Sieg widmete. Aber auch die deutschen Vielseitigkeitsreiter mit dem zweiten Zweifach-Gold-Gewinner Hinrich Romeike verdienen Erwähnung, ebenso wie Mountainbikerin Sabine Spitz, Fünfkämpferin Lena Schöneborn, Triathlet Jan Frodeno, die deutschen Hockey-Herren und unsere Kanuten. Aber auch die deutschen Tischtennis-Herren schlugen sich wacker, die sich nur China im Mannschaftsfinale geschlagen geben mussten. Apropos China! Beeindruckende 51 Goldmedaillen heimste der Gastgeber selbst ein. So viele wie nie zuvor. Allerdings trainierte die chinesische Sportelite dafür auch seit 2001, als die olympischen Spiele nach Beijing vergeben wurden. In dieser Zeit wurde wohl auch das ein oder andere Geburtsdatum modifiziert!

Als außergewöhnlich darf sicherlich auch die Eröffnungs- und Abschlussverantstaltung bezeichnet werden. Der chinesische Starregisseur Zhang Yi Mou (u.a. Raise The Red Lantern & Hero) brannte ein wahrhaftes Massenspektakel ab, wie es wohl nur noch in einem kommunistischen Land möglich ist. Wie er selber sagte, kann es so etwas neben China wohl nur noch in Nordkorea geben! Tausende von Statisten mussten teilweise stundenlang in engen Boxen auf ihren Auftritt warten. Zwar wurde das bezaubernde kleine Mädchen das zu Beginn sang die Lippen bewegte, nur per Playback von einem scheinbar weniger repräsentativen Mädchen unterstützt und das beeindruckende Feuerwerk mit den 29 Fußstapfen auf das Nationalstadion zu wurde bereits seit einem Jahr am PC erstellt. Und die chinesische Blogosphäre attestierte allgemeine inhaltliche Leere, aber so ist das halt nun mal bei großen Shows. Für die Chinesen musste halt einfach alles perfekt sein, wenn sie sich der Weltöffentlichkeit präsentieren. Trotz dieser kleiner Makel waren die beiden Veranstaltungen absolut beeindruckend. Wer das ganze übrigens verpasst hat, oder einfach noch einmal sehen möchte, der kann hier eine DVD der Eröffnungsfeier bestellen.

Bis 2012 in London!

Update (2008-08-28): Eine DVD der Abschlussfeier ist mittlerweile ebenfalls erhältlich!

Hong Kong, Chinas wackliges Wunder

Unter dem Titel „Hongkong, Chinas wackliges Wunder“ erschien am gestrigen Sonntag auf Welt Online ein interessanter Beitrag über demokratische Bewegungen in Hong Kong. Seitens der Briten wurde der ehemaligen Kronkolonie die Demokratie ja seit jeher verwehrt und nach der Rückgabe an China darf damit erst recht nicht gerechnet werden. Doch die gegebene Meinungs- und Versammlungsfreiheit erlaubt es Bürgerrechtsbewegungen hinter den Fassaden der Konsum- und Vergnügungscity einigermaßen angstfrei ihren Tätigkeiten nachzugehen.
Interessant auch, wie anhand der Begriffe „Mainland“ und „Motherland“ die Reichen und Mächtigen sowie deren Freunde vom Rest unterschieden werden kann! 😉

Vista goes Shanghai

Microsoft hat sich für seine offizielle Webseite des neuen Betriebssystems Windows Vista doch ausgerechnet die Skyline von Pudong in Shanghai als Hintergrundbild ausgesucht. Ob allerdings die Verkaufszahlen von Vista ebenso in die Höhe schnellen wie die Hochhäuser in Shanghai wage ich zu bezweifeln. Insbesondere in Shanghai und China selbst dürfte dahingehend wenig zu holen sein, denn da gibt es ja durchaus andere Wege zur Softwarebeschaffung. 😎
Nichtsdestotrotz nett!

Eine Weltmacht erwacht (erneut)

Wieso sollten wir uns langsam an Namen wie Haier, Huawei oder Ningbo Bird gewöhnen? Ganz einfach, weil Produkte dieser chinesischen Hersteller auch bald bei uns zu finden sein werden. Lenovo hat es bereits, als es die PC-Sparte von IBM übernahm, vorgemacht und verkauft PC’s und Notebooks mittlerweile unter eigenenem Namen. TCL kaufte bereits 2002 die insolventen Schneider Werke und schloss 2003 ein Joint Venture mit dem französischen Elektrokonzern Thomson und zählt seitdem zu einem der größten TV-Hersteller der Welt.

Wolfgang Hirn beschreibt in seinem Buch Herausforderung China – in kurzen und knappen Kapiteln -, den Einfluss, den China auf die westliche, ja sogar die ganze Welt nimmt und noch weiter nehmen wird. Steigende Öl-, Stahl- und Getreidepreise. Steigende Arbeitslosigkeit und die (imho) lächerliche Diskussion um die 40-Stunden-Woche. Amerikas Kampf gegen den Terror, insbesondere im zentralasiatischen Afghanistan. Globale Umweltprobleme die auf uns zukommen, wenn plötzlich 1/6 der Weltbevölkerung das Auto für sich entdeckt. Und wieso die kommunistische Partei Chinas eigentlich gar nicht mehr kommunistisch ist! All dies – und vieles mehr – stellt der Autor im Zusammenhang mit der «Fabrik der Welt» dar. Was am Schluß bleibt ist die Frage: „Wann wird China demokratisch?“. Oder hat es das riesige Reich gar nicht nötig seinem kleinen Abkömmling Taiwan nachzueifern? Die beiden Erfolgsmodelle Hong Kong und Singapur beweisen eindrucksvoll, dass es durchaus auch anders geht!

In seinen Ausführungen neigt der Autor leider stark dazu, zu Verallgemeinern, und zeichnet so ein ziemlich düsteres Bild unserer eigenen Zukunft als Industrienation. Aber gerade durch diese Überzeichnung vermag das Buch wach zu rütteln und zum Nachdenken anzuregen!

Themenabend „Chinas Kapital“ bei PHOENIX

Am Dienstag den 15. August zeigt PHOENIX im Rahmen seines Themenabens „Chinas Kapital“ verschiedene Dokumentationen, die sowohl Licht- wie auch Schattenseiten des Wirtschaftsbooms in [tag]China[/tag] näher beleuchten. Also vormerken, oder am besten gleich Video-/HD-Recorder programmieren.

Themenabend „Chinas Kapital“

An seinem letztem Themenabend im Sommerprogramm blickt PHOENIX gen Osten: China, das „Reich der Mitte“ mit seiner jahrtausende alten Tradition ist die kommende Supermacht. Die Wirtschaft scheint unaufhörlich zu wachsen, und schon jetzt ist China Deutschlands wichtigster Handelspartner in [tag]Asien[/tag]. Vom Tellerwäscher zum Millionär – Geschichten, wie sie früher in Amerika populär waren, werden heute in Fernost geschrieben. Wie etwa die von Joe Wickert, der in China mit dem Export von Lederwaren reich wurde. Den Weg des Unternehmers von der Pfalz in das Wirtschaftszentrum Shanghai erzählt die Dokumentation „Der heiße Atem des Drachen“. Doch der Aufschwung hat auch seine negativen Seiten. „Die Wanderarbeiter von Shanghai“ begleitet einige der – laut Schätzungen der UNO – bis zu 150 Millionen Landbewohner, die in die wachsenden Metropolen pilgern, um dort für einen Hungerlohn teils schwere und gefährliche Arbeit annehmen. Ein Höhepunkt des Abends wird die deutsche Erstausstrahlung der Dokumentation „China Girl – Dringend gesucht“, die sich mit den Folgen der Ein-Kind-Politik auseinandersetzt: Schon bald werden 30-40 Millionen chinesische Männer ein frauenloses Leben führen müssen – der Mädchenmangel ist auf dem Land ein akutes soziales Problem und Frauenraub ein blühendes Geschäft.

Weitere Doku-Termine zur „Themenwoche Chinas Kapital“ bei PHOENIX:
Dienstag, 15. August, 20.15 Uhr: „Die unsterblichen Krieger der China-Kaiser“
Dienstag, 15. August, 21.00 Uhr: „China Girl – Dringend gesucht“
Dienstag, 15. August, 22.15 Uhr: „10 Millionen Dollar pro Monat“
Dienstag, 15. August, 23.00 Uhr: Studiogespräch mit Wolfgang Hirn
Dienstag, 15. August, 23.10 Uhr: „Der heiße Atem des Drachen“
Dienstag, 15. August, 23.40 Uhr: „Die Wanderarbeiter von Shanghai“

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