Causeway Bay (銅鑼灣)

Am nächsten Morgen stand endlich auch mal Causeway Bay (銅鑼灣) auf dem Programm. Recht spät, in Anbetracht der Tatsache, dass sich meine Unterkunft, das Wang Fat Hostel, in diesem quirligen Stadteil von Hong Kong befindet ;-).
Da sich die Festplatte meines Notebooks verabschiedet hatte, und ich somit die Bilder nicht mehr von meiner Digitalkamera laden konnte (Merke: Knoppix-CD mit in den Urlaub nehmen), stand als erstes das Times Square Shopping Centre auf dem Plan. Zwei Etagen mit Elektronik-, Computer- und Hifi-Shops sollten genügend Auswahl für eine CompactFlash-Karte bieten. Bei Fortress habe ich dann auch eine 1GB CF-Karte erstanden. Preislich ergab sich zu Europa kein gravierender Unterschied. Mir wurde mit stolz geschwellter Brust lediglich mitgeteilt, dass es sich bei der SanDisk-Karte um ein Qualitätsprodukt aus China handelt. Schlecht sind sie auch nicht, denn meine andere CF-Karte ist ebenfalls von SanDisk.
Im nachhinein wären die 3 Etagen Computer-Shops im Windsor House – ebenfalls in Causeway Bay – die bessere Wahl gewesen.
Apropos Times Square. Hierher verschlug es schon Angelina Jolie als Lara Croft im zweiten Teil der Tomb Raider Serie, The Cradle of Life. Die Aufnahmen vor und in dem Gebäude sind korrekt. Es wird jedoch eine CGI Aufnahme verwendet, die eine Glaskuppel im Dach zeigt – die es nicht gibt – und durch die das Two-IFC zu sehen ist, über das Lara und ihr Begleiter später flüchten werden. Zwischen Times Square und Two-IFC liegen jedoch gut und gerne 2km. 8)

Vom Times Square ging ich dann Richtung Happy Valley (快活谷) wo ich mir den Happy Valley Racecourse (快活谷馬場) ansehen wollte. Der war jedoch leider geschlossen, also wieder zurück. Über die Percival Street und Hennessy Road kam ich dann wieder zur der mir reichlich bekannten Ecke Patterson & Great George Street, die von mehreren riesigen iPod Werbeplakaten überschattet wird. In dieser Ecke von Causeway Bay sind die Straßen sowohl Tags wie auch Nachts gesäumt von Menschen, da sich hier etliche kleine und große Einkaufszentren (u.a. Sogo, World Trade Centre, Windsor House, Island Beverly) und ein Kino (JP Cinema) befinden. Nachts sind in der Gegend auch Künstler, die ihre Kunststücke zum Besten geben anzutreffen.

Direkt am Ende der Great George Street befindet sich der Victoria Park (維多利亞公園). Dieser ist mit 17 Hektar Grundfläche die größte Grünanlage im Norden von Hong Kong Island. Morgens sind hier zahlreiche Menschen bei ihren T’ai Chi Übungen anzutreffen. Auf den zahlreichen Sportanlagen wird Basketball oder Tennis gespielt. Menschen joggen oder gehen einfach nur spazieren, und in einem Brunnen wurden sogar ferngesteuerte Boote fahren gelassen.

Noon Day Gun (午炮)

Am Sonntag hieß es erstmal ausschlafen. Als ich endlich aufgestanden war, machte ich mich – wie schon am ersten Tag mit meiner Schwester – auf zur Noon Day Gun (午炮). Also erneut durch die Tiefgarage des World Trade Centres und durch einen Tunnel unterhalb der Gloucester Road hindurch.
Das Abfeuern des Dreipfünders ist eines der wenigen kolonialen Überbleibsel in Causeway Bay. Die Kanone steht in einem kleinen Garten und wird jeden Tag Punkt 12.00 Uhr Mittags, sowie zu Neujahr am 31. Dezember von einem Jardine-Mitarbeiter abgefeuert. Anschließend wird eine Glocke acht mal geläutet, die das Ende der Vormittagswache signalisiert.

Der Ursprung dieser Tradition bleibt mysteriös. Einige behaupten, dass Jardine Matheson die Kanone ohne Erlaubnis abfeuerte, um einem abreisenden Direktor gute Reise zu wünschen oder eines ihrer ankommenden Schiffe willkommen zu heißen. Die Obrigkeit war von der Anmaßung so erzürnt, so dass sie die Firma dadurch bestrafte, dass diese die Kanone von nun an täglich abfeuern musste.
Eine eher nüchterne Erklärung ist, dass die Kanone – wie in vielen anderen Häfen auch – dazu abgefeuert wurde, damit die Schiffe im Hafen ihre Uhren – die zur Ermittlung des Längengrades benötigt werden – stellen konnten.

Erste Erkundungen

Der erste Vormittag in Hong Kong war ziemlich trüb und wolkenverhangen. Wir entschlossen uns zu einem preiswerten Frühstück. 24HK$ für ein Croissant, Baguette, Kaffee und Orangensaft in einer Filiale von Delifrance, die in ganz Hong Kong zu finden sind. Wir waren – wie schon am Vorabend – im World Trade Centre. Nach der Lektüre des englischsprachigen HK-Magazines und der ebenfalls auf Englisch erscheinenden South China Morning Post machten wir uns zu Fuss Richtung Waterfront auf.

Durch eine Unterführung, die über die Tiefgarage des World Trade Centres erreichbar ist, gelangten wir zur Noonday Gun, die jeden Tag Punkt 12:00 Uhr abgefeuert wird. Für dieses Ereignis waren wir jedoch zu früh dran. Wir liefen weiter Richtung Wan Chai, und uns bot sich trotz einsetzendem Regen ein schöner erster Blick auf die beeindruckende Skyline Hong Kongs. Durch die engen Straßen mit ihren teilweise gewöhnungsbedürftigen Gerüchen machten wir uns wieder auf den Rückweg.

Erster Abend in Hong Kong

Nach dem Bezug unseres provisorischen Zimmers im zehnten Stock – wir bekommen am nächsten Tag wegen unserer langen Aufenthaltsdauer ein Besseres – hieß es erneut Geld wechslen, damit das Zimmer bezahlt werden konnte, und ich meinen hinterlegten Reisepass wieder bekomme. Auf der Suche nach einer Wechselstube stießen wir mehr oder weniger zufällig auf das World Trade Centre (世貿中心), ein Einkaufs- & Bürozentrum, dass auch etliche Restaurants beherbergt. Wir entschlossen uns im Shanghai Lu Yang Cun Restaurant (阿拉麵館) zu Abend zu Essen. Geordert wurde Fried Thick Noodle, Fried Chicken & Fried Pan Cake, was alles vorzüglich schmeckte. Meine erste Begegnung mit Essstäbchen (筷子) fiel jedoch sehr ernüchternd aus, und warf auch unweigerlich die Frage auf: „Wie werde ich die nächsten 14 Tage satt?“. Meine Schwester war hier dank drei Wochen Chinavorsprung wesentlich geschickter. Wenigstens hatten die Chinesen am Nachbartisch ihren Spaß damit, über meine erbärmlichen Fähigkeiten zu lachen.
Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang durchs Viertel machten wir uns dann auch auf den Weg ins Bett.